Projekt „eva“ geht neue Wege in Sachen Landnutzung, Hochwasserschutz und Biodiversität

Wie innovative Agroforstsysteme wichtige Aufgaben in einer modernen Kulturlandschaftsentwicklung übernehmen können

Das IfaS zeigt Pioniergeist und denkt zusammen mit dem Biobauern Hans Pfeffer Landwirtschaft, (Hoch-)Wassermanagement und Biodiversität neu.

Der Biobauer Hans Pfeffer aus Odernheim am Glan (Rheinland-Pfalz) stellte Anfang 2020 der Operationellen Gruppe MUNTER seine Idee für ein in Deutschland einzigartiges Agroforstkonzept vor. Natürlich waren alle sofort begeistert, in einem echten Mehrnutzungskonzept Landbau mit Hochwasserschutz, Biodiversität und zusätzlicher CO2-Fixierung für den Klimaschutz zu verbinden. Dieser multifunktionelle Ansatz setzt zum einen auf eine extensive landbauliche Doppelnutzung (Grünland plus Obst/Nuss/Wertholz) in Form eines Agroforstsystems und zum anderen auf das (Hoch-)Wassermanagement von P.A. Yeomans (Keyline-Plan, 1954) – einem australischen Landwirt und Ingenieur – mit Trassierung, Wiesengräben und -teichen, sowie auf eine Beweidung nach dem holistischen Weidemanagement, welches die Entwicklung von ökologisch hochwertigen Gräsern und Kräutern fördert und gleichzeitig mehr CO2 durch Humusaufbau bindet. Oder anders, MUNTER bekam eine kleine Schwester mit Namen eva – dazu später mehr.

Das für den Grenzertragsstandort in Odernheim (Jahresniederschlag 450 mm in „normalen“ Jahren) weiterentwickelte Keyline-System baut auf verschiedenen Gehölzpflanzungen und einem Wassermanagement auf: Durch die an den Höhenlinien (Keylines) ausgerichteten Baum-, Strauchreihen und Wiesengräben, wird in den Wintermonaten das Sicker- bzw. Hangzugwasser in Gräben und Teichen gespeichert und im Sommer, bei Starkregenereignissen, der oberflächliche Abfluss gebremst und gleichmäßig über die Fläche verteilt oder aufgefangen. Für ein feuchteres Mikroklima und damit für geringere Evapotranspiration sorgen die Baumreihen durch Wind- und Sonnenschatten.

Nun folgte der wichtige erste Schritt vom Konzept in die Praxis. Am 12. November wurden die ersten Bäume und eine Futterhecke sowie ein Wiesengraben gepflanzt bzw. angelegt. Die Landwirt*innen der Bannmühle pflanzten gemeinsam mit den Gärtner*innen von einem Permakulturausbildungskurs auf der Bannmühle, den MUNTERen Agrarwissenschaftlern des IfaS und einem GIS-Spezialisten der AgroScience innerhalb eines Tages 40 Maronen-, 80 Wallnussbäume und 200 m Hecke. Das neue Konzept wird nun Zug um Zug entwickelt, etabliert und natürlich auf seine Wirksam- und Machbarkeit getestet. Dazu erhält Hans Pfeffer und das IfaS Unterstützung von gleich zwei komplementären Stiftungen: die Deutschen Bundesstiftung Umwelt, die den Wissensaufbau (Entwicklung und Implementierung) fördert, und der Veolia-Stiftung, die die Kulturetablierung (Pflanzgut) finanziert.

Derartige Mehrnutzungskonzepte sollen helfen, den Klimawandel mit seinen Folgen abzuschwächen und die Zukunft einer modernen Kulturlandschaftsentwicklung aktiv zu gestalten. Dazu brauchen wir Pioniere wie Hans Pfeffer, die ihr Wissen mit anderen Kolleg*innen teilen, weiterentwickeln und damit den Weg zu neuen bzw. modernisierten Landbausystemen bereiten. Zu eva wird noch eine Homepage entwickelt, die die Entwicklung dieses, in Deutschland neuen Landbausystems, dokumentiert.

Ein großer Dank gilt den gut gelaunten Pflanzer*innen und den Förderern, die selbstverständlich auf Abstand und äußerst MUNTER mit eva den ersten Schritt gegangen sind.

Hintergrund der Förderung:

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt fördert seit Oktober das Projekt: eva – Entwicklung von innovativen Agroforstsystemen in der Landwirtschaft für eine klimaresiliente und ökonomisch attraktive Grünlandnutzung

Die Pflanzen und das Material für die Pflanzung spendete der Verein Freunde und Förderer des Instituts für angewandtes Stoffstrommanagement (IfaS) e.V. mit Mitteln der Veolia-Stiftung. Das Schwesterprojekt heißt: „Bannmühle – Klimafreundliches Wasser- und CO2-Management durch die Kombination von Keylines und Agroforst“, alle Infos hier.

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